Simon Annand

Simon Annand
Simon Annand fühlt sich keinem anderen Ort dieser Welt so verbunden wie dem berühmten Londoner West End. Dort fing alles an. Und auch heute, über 30 Jahre später, ist die Theaterkultur in einem Atemzug mit ihm und seiner Fotografie zu nennen. In diesen Theatern hat er die Crème de la Crème internationaler Schauspieler fotografiert – in ihren Umkleideräumen, in den 30 intimen Minuten kurz bevor sie sich dem wartenden Publikum auf der Bühne präsentieren. Seine Bilder zeigen die Melancholie Tilda Swintons und einen nachdenklichen Rowan Atkinson, der sonst durch seine Komik in der Rolle des Mr. Bean besticht. Oscar-Preisträger wie Cate Blanchett und Kevin Spacey hatte er ebenso vor der Kamera wie die 007-Stars Daniel Craig und Judie Dench.
 
Simon Annand (*1955) lebt und arbeitet in London. Früh begeistert er sich für die Theaterkultur, aber auch für Fotografie. Seine ersten Bilder machte er in seinen Mitzwanzigern – mit der geborgten Kamera eines Freundes. Zu dieser Zeit, 1980, beginnt er als Barkeeper an der Theaterbar des „Lyric Hammersmith“ in der Londoner „King Street“ zu arbeiten. 1982 begegnet er dort dem russischen Regisseur Yuri Lyubimov, der Dostojewskis „Schuld und Sühne“ inszenierte. Annand, beeindruckt von der Inszenierung und dem Charme des Russen, überredet Lyubimov, Aufnahmen der Proben machen zu dürfen. Das Ergebnis seiner Arbeit präsentiert er in seiner ersten eigenen Ausstellung, die den Anfang seiner Arbeit als Fotokünstler markiert. Trotz seines Erfolges arbeitet Annand danach fünf Jahre als Gärtner, um sich eine weitere Foto-Ausstellung finanzieren zu können.
 
Seit über 30 Jahren fotografiert Annand jetzt Schauspieler kurz bevor sich der Vorhang hebt. Er ist aktiver, aber stiller Beobachter, immer da und trotzdem unaufdringlich. Er kennt die Abläufe innerhalb der Theaterkulissen, die Nervosität der Schauspieler, die ungeschriebenen Gesetze der Londoner Top-Theater. Seine Liebe zum Jazz zeigt Annand auch in seiner Fotografie. Er lässt sich auf den Moment ein, ganz und kompromisslos, ohne zu wissen, wohin ihn sein Instrument – die Kamera – führt. „Mein Stil ist kein Stil“, betont er dabei immer wieder. Annand möchte die Zuschauer nicht darüber nachdenken lassen, wie clever der Fotograf sei. Für ihn zählt allein das, was die Porträtierten in diesem Moment ausstrahlen: Eine positive Zerrissenheit zwischen sich selbst und der Rolle, in die sie noch nicht hundertprozentig geschlüpft sind.
 
Annands Fotografien sind Psychogramme: Sie zeigen bewusst nicht die Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett als Schauspielerin, sondern eine Frau die zufällig eine Schauspielerin ist. Vielmehr rückt er den Menschen in den Fokus. Cate Blanchett als Frau, als Schwester, als Tochter. „Ich muss mir jedes Bild erst verdienen“, so Annand, der über sich selbst sagt, er sei kein „Paparazzi“. In einer 125zigstel Sekunde, drückt er im einzig richtigen Augenblick ab und fängt so die „ultimative Kurzgeschichte“ ein. Die Früchte seiner Arbeit der letzten drei Jahrzehnte hat Annand 2008 in seinem weltweit gefeierten Buch „The Half“ veröffentlicht. Derzeit arbeitet der Fotokünstler an Band 2, bei dem er „sich selbst erlaubt hat, noch tiefer in die Welt des Theaters einzutauchen“.
   

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